Europas Elektronikfertigung

rückt zurück auf die Agenda

Was Chips Act 2.0, EDIP und europäische Beschaffung für PCB-Hersteller,
EMS-Unternehmen und OEMs bedeuten.

White Paper: Der Weg zurück? Was Brüssel für die europäische EMS-Elektronikfertigung unternimmt

Industriepolitische EU-Instrumente: Chips Act 2.0, EDIP und Public Procurement Act

Dieses White Paper der EMS Strategy Group (Dirk Kaussen, Rev. 1.0, 4. September 2026) ordnet drei zentrale europäische Initiativen für die Leiterplatten- und Baugruppenfertigung ein. Es analysiert konkrete Ansatzpunkte für EMS-Dienstleister und OEMs und zeigt die Grenzen der aktuellen Regulierungen auf.

Herausgeber: EMS Strategy Group

1. Der Ausgangspunkt – eine Industrie unter Druck

  • Laut ZVEI werden nur noch 2 % der weltweiten Leiterplatten in Europa gefertigt; der europäische Anteil am globalen EMS-Markt liegt bei lediglich 10 %.
  • Der Verband warnt vor extremer Abhängigkeit von Fernost wegen geopolitischer Risiken, Lieferverzögerungen und Manipulationsgefahren (Hardware-Trojaner).
  • Leiterplatten und EMS-Fertigung rücken in Brüssel als kritische Infrastruktur und Basis der Verteidigung in den Fokus.

2. Chips Act 2.0 – von der Halbleiterfertigung in die Wertschöpfungskette

  • Vorgestellt am 3. Juni 2026: Der Chips Act 2.0 erweitert den „First-of-a-Kind“-Rahmen explizit auf Leiterplatten, Advanced Packaging und Assembly.
  • Soll strukturelle Abhängigkeiten reduzieren und die Industrialisierung neuer Halbleitertechnologien beschleunigen.
  • Die Aufnahme in den Entwurf schafft Chancen, bedeutet aber keinen pauschalen Förderanspruch für Standard-Projekte.

3. EDIP – Verteidigungselektronik als kurzfristiger Hebel

  • Im Dezember 2025 verabschiedet; stellt 1,5 Milliarden Euro an Zuschüssen für den Zeitraum 2025–2027 bereit.
  • Der Call „Key Electronic Components“ umfasst 122,25 Millionen Euro gezielt für Führungselektronik, Leistungselektronik, RF-Module und Leiterplatten/Substrate.
  • Kofinanzierung von 35 % bis 50 % (max. 20 Mio. Euro je Projekt) soll über 350 Millionen Euro an Neuinvestitionen in Europa anstoßen.

4. Public Procurement Act – Nachfrage als Werkzeug

  • Setzt direkt bei der Nachfrage an, um erstellte Kapazitäten langfristig am Markt abzusichern.
  • Geplante Überarbeitung des Vergaberechts sieht ein „Made in Europe“-Kriterium für strategische Sektoren vor.
  • Ergänzt reine Förderprogramme um den notwendigen Absatzmarkt für europäische Elektronikprodukte.
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