Fachartikel: Zurück nach Europa – Elektronikfertigungsaufträge strategisch verlagern
TCO-Analyse, Split-Shoring und regulatorische Dynamik für europäische OEMs
Dieser Veröffentlichungsbeitrag im Fachmagazin EPP (Ausgabe 04/2026, Autor: Dirk Kaussen, MBA) beleuchtet die strategische Verlagerung von Elektronikfertigungsaufträgen. Der Artikel zeigt auf, warum der reine Stückpreis als Entscheidungskriterium greift und wie OEMs durch Ganzheitsbetrachtungen (TCO), den Aufbau europäischer Zweitquellen und die Berücksichtigung von Regularien wie NIS-2 und CSDDD ihre Lieferketten risikofest aufstellen.
Erstveröffentlichung: EPP (04/2026) | Autor: Dirk Kaussen, EMS Strategy Group
1. TCO-Betrachtung: Der Stückpreis ist nur die Spitze des Eisbergs
- Reine Stückpreisvergleiche vernachlässigen kritische Kostenfaktoren entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
- TCO-Kostenreiber: Transportvolatilität, Kapitalbindung in Sicherheitsbeständen, Vorfinanzierung, Audits und verzögerte Reaktionszeiten beeinflussen die Gesamtkalkulation massiv.
- Margenvorteil: Unternehmen, die Nearshoring strategisch umsetzen, können laut Bain & Company ihre Bruttomargen um bis zu 30 Prozent steigern.
2. Risikominimierung durch Split-Shoring
- Die Krisen der letzten Jahre zeigten die Gefahren extremer Abhängigkeit von einzelnen Offshore-Regionen.
- Eine vollständige Rückverlagerung ist nicht immer zwingend – die gezielte Fertigung kritischer Baugruppen in Europa schafft eine belastbare Second Source (Split-Shoring).
- EMS-Dienstleister in Mittel- und Osteuropa (z. B. Polen, Rumänien, Bulgarien) bieten kurze Transportwege, moderne Fertigungstechnologien und hohe Flexibilität.
3. Regulierung, IP-Schutz und Auditierbarkeit
- Regulatorischer Druck: Vorgaben wie CSDDD, NIS-2 und der EU Chips Act 2.0 verlangen lückenlose Transparenz und Auditierbarkeit, was mit europäischen EMS-Partnern strukturell einfacher umsetzbar ist.
- Know-how- & IP-Schutz: Mit jedem Auftrag wird sensibles Entwicklungs-Know-how übertragen; ZVEI warnt zudem vor Manipulationsrisiken (Hardware-Trojaner) bei rein außereuropäischer Fertigung.
- Strukturierte Auswahl: Prozessbeherrschung, wirtschaftliche Stabilität und Obsoleszenzmanagement wiegen bei der Partnerwahl schwerer als die reine Maschinenparkgröße.
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